Zu Besuch bei Freunden

Als 1991 in Jugoslawien der Krieg ausbrach, war es für mich das erste Mal, dass ich mich bewusst mit dem Thema “Krieg” auseinander setzte. Ich war damals noch ziemlich klein und hatte weder eine genaue Ahnung wo dieses Jugoslawien liegt (der Name klang aber komisch, also musste es ziemlich weit weg sein) noch worüber sich die Leute in diesem exotischen Land eigentlich stritten. Mir war aber klar, dass im Balkan etwas furchtbares vor sich ging und dass ich nie im Leben auch nur in die Nähe dieses Landes reisen wollte!

In den folgenden Jahren wurde die Schweiz zur neuen Heimat für tausende Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien. Es dauerte eine ganze Weile bis wir uns aneinander gewöhnt hatten, aber ich denke heute gibt es kaum noch einen Schweizer, der keine “Jugos” (und ich verwende diesen Ausdruck durchaus liebevoll!) zu seinem Freundeskreis zählt!

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich war der Meinung, es sei langsam an der Zeit für einen Gegenbesuch! Daher bestieg ich am 8. März einen Flieger der mich von Zürich via Banja Luka nach Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegovina, brachte. Ich wohnte direkt in der wunderschönen Altstadt. Die Fahrt dorthin führte vorbei an zerstörten Häusern – Zeugen eines in aller Härte geführten Krieges. Die Innenstadt von Sarajevo wurde ab 1992 für mehr als 1’400 Tage belagert und in dieser Zeit liessen mehr als 10’000 Menschen ihr Leben. Ich sprach mit einem Bosnier meines Jahrgangs. Was ich aus sicherer Entfernung aus Radio und TV vernahm, hatte er als zwölfjähriger Junge hautnah miterlebt. Oft konnte er das Haus tagelang nicht verlassen. An ein Fussballspiel mit Freunden war nicht zu denken. Viele der Bombenkrater in der Innenstadt von Sarajevo wurden später mit rotem Harz geflickt. Entstanden sind Mahnmale, die gleichzeitig an Rosenblüten wie auch an vergossenes Blut erinnern.

Rose von Sarajevo


Rose von Sarajevo

Marktstand in Sarajevo

Marktstand in Sarajevo

 

Aber lassen wir den Krieg beiseite! Die Altstadt von Sarajevo ist mehr als nur sehenswert. Trotz des schlechten Wetters fühlte ich mich in der Gegend um den Baščaršija Platz richtig wohl! Es ist schwierig zu erklären, aber manche Orte strahlen eine Art von Energie aus, die dir auf magische Weise die Mundwinkel in die Höhe zieht. Ich musste lachen, als ich eine öffentliche Toilette besuchen wollte und die alte Dame dort Geld verlangte. Auf die Frage nach dem Preis (“How much?”) erwiederte sie nämlich nur immer wieder: “Yes, yes, much!!” und hielt mir ihre Hand unter die Nase. Später auf meiner Reise ging mir dann auch das Licht auf, dass man sich in dieser Gegend mit Deutsch wesentlich besser verständigen kann als mit Englisch.

Der nächste Punkt meiner Reise war die Stadt Mostar, die sich etwa 2.5 Busstunden südwestlich von Sarajevo befindet. Mein Empfang hätte herzlicher nicht sein können. In dem kleinen Hotel (fünf Minuten von der Altstadt entfernt) wohnte ausser mir nur noch ein älterer Herr. Entsprechend euphorisch wurde ich willkommen geheissen. Ich kriegte sogar eine Tasse Tee direkt in mein Zimmer geliefert. Die Stadt selber verschlug mir beinahe den Atem. Einzig die vielen japanischen Touristen zerstörten die Illusion, ins Mittelalter zurückversetzt worden zu sein. Nachdem ich diese besondere Atmosphäre eine ganze Weile in mich aufgesogen hatte, machte ich mich auf den Weg ins Nachbarsdorf Blagaj. Das heute eher unscheinbare Dorf könnte viele interessante Geschichten erzählen, wenn es denn reden könnte. Wirklich eindrücklich ist allerdings die Quelle des Flusses Buna, die dort aus einer riesigen Felshöhle entspringt. Man stelle sich mal vor: Aus einem riesigen Loch in einem Berg entspringt ein ganzer Fluss!

Mostar

Mostar

Quelle in Blagaj

Quelle in Blagaj

Am nächsten Tag verliess ich Bosnien und Herzegovina. Kurz nach der kroatischen Grenze veränderte sich die Landschaft dramatisch. Während die Hügellandschaft von Bosnien eher an eine eindrücklichere Version des Emmentals erinnerte, wurde die Gegend, je mehr wir uns der Adriaküste näherten, deutlich mediteraner. Und plötzlich waren wir am Meer! Meine nächste Station hiess Dubrovnik. Im UNESCO Weltkulturerbe (welches früher übrigens wie sein sizilianischer Namensvetter mal den Namen “Ragusa” trug) gönnte ich mir den Luxus eines ***** Hotels. Im März gibt es diesen schon für sehr wenig Geld. Für meinen Balkan-Balkon mit Meerblick hätte ich aber auch etwas mehr bezahlt! Die Altstadt von Dubrovnik mit seinen hohen Stadtmauern ist eindrücklich. Sie wirkte auf mich nicht so freundlich und verspielt wie Mostar aber der Blick auf das smaragdblaue Meer machte diesen Mangel allemal wieder wett!

Hotelzimmer in Dubrovnik

Hotelzimmer in Dubrovnik

Altstadt von Dubrovnik

Altstadt von Dubrovnik

Aber auch hier blieb ich nicht lange. Auf meinem Weg nach Zagreb legte ich nämlich noch einen Boxenstopp in Split ein. Mein erster Eindruck war nicht so toll (eine Hafenstadt halt) aber auch hier erwartete mich eine wunderschöne Altstadt, die meine Meinung von Split massiv verbesserte. Die kleinen verwinkelten Strassen erinnerten mich ein wenig an Venedig (ohne stinkende Kloaken und singende Gondolieres). Ausserdem unternahm ich am nächsten Tag einen längeren Spaziergang auf den Marjan, den Hausberg von Split, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht über die Stadt geniessen kann!

Split

Split

Split

Split

Bei meiner letzten Reiseetappe handelte es sich um die kroatische Hauptstadt. Vor einiger Zeit lernte ich in Bern eine Künstlerin aus Zagreb kennen deren Bilder mir so gut gefielen, dass ich sie fragte, ob sie eines für mich malen würde. Das Bild sehe ich seither jeden Tag, Ivana hingegen habe ich seit damals nie mehr getroffen. Deshalb war meine Freude darüber gross, dass ich meine letzten zwei Nächte in Kroatien bei ihr übernachten durfte! Wir hatten uns an diesem Abend noch viel zu erzählen und deshalb war ich am nächsten Morgen auch nicht besonders früh aus den Federn zu kriegen.

Eine der eindrücklichsten Sehenswürdigkeiten von Kroatien sind die Seen von Plitvice (Plitvicka jezera). Mit dem Bus dauerte die Reise ca. 2.5 Stunden. Was mich dort erwartete war ein Naturschauspiel, das mir beinahe Tränen in die Augen trieb! Seen mit glasklarem Wasser, das in allen blau- und grüntönen schimmert, dazu hunderte kleine Wasserfälle. Worte können die Schönheit dieser Gegend kaum beschreiben! Irgendwann musste ich mich von diesem magischen Ort losreissen und die Rückreise nach Zagreb antreten. Ich traf mich mit Ivana zum Abendessen in einem tollen Restaurant wo es neben kroatischen Spezialitäten auch selbstgebrautes Bier gab. Ein angemessenes Ende eines perfekten Tages!

Plitvicer Seen

Plitvicer Seen

Plitvicer Seen

Plitvicer Seen

Am nächsten Tag musste ich mich von Ivana, aber auch von Kroatien, verabschieden! Beide werde ich wiedersehen, soviel steht fest! Sieben kurze Tage war ich unterwegs aber jeder einzelne davon war unvergesslich. Und es gibt noch soviel zu sehen…

Markt von Zagreb

Markt von Zagreb

Markt von Zagreb

Markt von Zagreb

Weitere Bilder zu meiner Reise gibt es hier: http://bit.ly/1psB7Xy